One Stroke. Farbskala
Das speziell für den Kunstverein Münsterland entwickelte Ausstellungskonzept beinhaltet die Herstellung eines mehrteiligen, durch unterschiedliche Formate geprägten Bildes, das in einem durchgehenden Pinselzug gemalt worden ist. Ausgehend von der vorgegebenen Architektur des Ausstellungsraumes entstand eine neue Arbeit, die als bildnerische Dokumentation der besonderen künsterischen Vorgehensweise Ute Heuers zu verstehen ist.
Ute Heuers „konzeptuelle Farbmalerei“ beschäftigt sich mit dem originären Entstehungsprozeß der Malerei und der Erprobung ihrer mximalen Präsenz im Raum. Malerei versteht die Künstlerin als Verdichtung von verschiedenen Farbtönen zu einer künstlerisch relevanten Form. Die Frage nach einer derartigen Form wird bei Ute Heuer allein durch das gewählte Bildformat und die Pinselbreite bestimmt. Gemalt wird auf dem Boden, auf Leinwänden, die Stoß an Stoß liegen. Jede Leinwand wird mit einer einzigen Farbe bedeckt. Die Grundfarben werden direkt und unvermischt aus der Tube verwendet. Ein unbenutzter Pinsel, der exakt die Breite der Leinwände besitzt, wird in einer kontinuierlichen Bewegung über die Bildträger hinwegbewegt, so daß sich Farbspuren zunächst dort ablagern, um sich dann auf die weiteren Leinwände zu übertragen. Damit entsteht eine Farbskala, deren malerische Vielfalt sich aus der Summe der am Malprozeß beteiligten Bilder orientiert. Somit verweist ein Bild jeweils auf das vorherige. Die Dokumentation dieser künstlerischen Abläufe wird zur eigentlichen Aussage des Bildes. Ute Heuers speziell für den Kunstverein Münsterland entwickelte Arbeit erfaßt die gesamten Raumzusammenhänge des Kunstvereins und überschreitet damit die gängigen Präsentationsformen von Malerei. Indem die Farbe aktiv in den Raum eingreift, wird der Besucher unmittelbar körperlich berührt. Die optische Wirksamkeit der Farbe verbindet sich auf diese Weise mit einer umfassenden sinnlichen Präsenz.
Uwe Schramm
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