Suse Wiegand - Rauminstallation 

Anja Wiese - Video-Klanginstallation

Suse Wiegands künstlerisches Material besteht aus handelsüblichen, rohen grau-weißen Kalksandsteinen und Stoffen unterschiedlichster Materialität, Herkunft, Farbigkeit und Musterung. Kostbare Seide reiht sich an gepunktete und gestreifte Baumwollstoffe, rohes farbenfrohes Leinen an derbe Staubtücher und Tischdecken. Suse Wiegand läßt durchbrochene Mauern entstehen, indem sie Steine schichtweise auf- und nebeneinandersetzt. Auf jeder dieser von Fugen und Durchbrechungen geprägten Steinreihen werden farbige Stoffe aufgelegt, bevor eine weitere Schicht die Bauten ein Stück höher steigen läßt. Mit sanften Bewegungen dringen die Stoffe in die Fugen, füllen die Leerräume mit Farbe und ihrer fließend-weichen Materialität. Der Stoff markiert den Übergang von Stein zu Stein, er trennt und verbindet die Steinschichten zugleich, bedeckt und unterfüttert den Stein und bildet mit seiner eigentümlichen Farbigkeit und materiallen Beschaffenheit ein wirksames Gegengewicht zu der rauhen, einheitlich gefärbten Oberfläche der Bauelemente. Als Ergebnis dieses faszinierenden Gestaltungsprozesses tritt dem Betrachter ein räumlich definierter Körper entgegen, der hinsichtlich seiner Ausdruckswirksamkeit vielfältiger nicht sein könnte. Zu erkennen sind, Rundungen und scharfe Kanten, Flächen und farbige Linien, eine Balance zwischen Weihheit und Härte, Fließendem und statischer Schwere.

Die Video-Klang-Installation von Anja Wiese benutzt als Rohmaterial kurze Filmsequenzen von Spielzeugautos, die auf einer Carrerabahn an einem statischen Kameraauge vorbeisausen. Hinzugefügt sind von der Künstlerin selbst nachgeahmte und elektronisch verfremdete Fahrgeräusche, die in Verbindung mit den sichtbaren Videobildern den Eindruck von Schnelligkeit nicht nur suggerieren, sondern zudem alltägliche Situationen und Eindrücke – Verkehr, Geschwindigkeit und Bewegung - auf spielerisch-humorvolle Art ironisieren.

Zu sehen sind auf den insgesamt 5 Bildschirmen jeweils unterschiedliche Fahrpassagen, die vom Betrachter zu einer Gesamtbewegung verbunden werden, indem er seinen Blick von Bildschirm zu Bildschirm bewegt, seinen Standort verlagert und sich auf die Eigenzeit der Videobilder einläßt. Bewegung, die von den Bildschirmen in den Raum und in das Bewußtsein des Betrachters dringt, und die statische Ruhe der Fernsehgeräte bilden einen spannungsreichen Gegensatz, der ähnlich wie bei den Arbeiten von Suse Wiegand, Dynamik und Ruhe zu einer in sich stimmigen Einheit verknüpft.

Uwe Schramm

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