Die lange
Malereitradition der Düsseldorfer Kunstakademie hat in den letzten Jahren eine
große Wandlung erlebt, die auch durch die vielen fernostasiatischen Studenten
und Studierenden anderer Nationen an der Akademie einen Umdenkprozess freigesetzt
hat. Die Malerei der deutschen Expressiven, früher die Neuen Wilden genannt, zu
denen unter anderem Markus Lüpertz, Jörg Immendorf, Siegried Anzinger oder
Georg Baselitz zählen, hat sich wesentlich verändert.
Der Begriff der Neuen Düsseldorfer Malerschule fasst Akademieabsolventen
der Landeshauptstadt am Rhein zusammen und hat sich inzwischen in Deutschland
etabliert, auch mit weit reichenden Wirkungen auf das internationale
Kunstgeschehen, denkt man z. B. an Katharina Grosse.
Der Titel Neue Düsseldorfer
Malerschule greift auf eine langjährige Tradition zurück, jedoch mit
ironischem Unterton, denn Malerschulen im Sinne einer Zusammenfassung
regionaler Künstler, die einen gleichen Stil vertreten, sind im Zeitalter der
Globalisierung nicht mehr denkbar. Die vielfältigen künstlerischen Positionen
unterscheiden sich zum Teil erheblich von der Kunst der Professoren aus den
achtziger und neunziger Jahren, bei denen es beispielsweise um individuelle
Perspektiven, um die Thematisierung der Arbeitsbedingungen der Kunst oder auch
um eine Repolitisierung ging. Die gegenwärtige junge Künstlergeneration ziehen
ihre Erkenntnisse und Erfahrungen zwar aus der so genannten Postmoderne, führt
diese jedoch nicht ungebrochen fort, sondern hinterfraget kritisch, um zu
eigenen Themen zu gelangen. Dabei spielt die Orientierung am Menschen, an
seinen inneren Befindlichkeiten, seinen Relationen zu politischen, sozialen
oder gesellschaftlichen Umfeldern, sein Verhältnis zur Natur, seine Hoffnungen,
Visionen und Träume eine wichtige Rolle.
Mit Rosilene
Luduvico und Antje Barnickel stellt der Kunstverein Münsterland e. V. zwei
Vertreterinnen der Neuen Düsseldorfer Malerschule vor. Beide lernten sich während des
Studiums an der Düsseldorfer Kunstakademie kennen.
Rosilene Luduvico wuchs in der
Abgeschiedenheit und Ruhe des dicht bewaldeten Berges Espirito Santoim Südosten Brasiliens auf. In Ihren Bildern finden sich immer wieder besondere
Landschaften, zeitlose Räume und Orte der Einsamkeit, in denen
sich das Verhältnis des Menschen zur Natur noch im Gleichgewicht
befindet. Schlafende träumen in ortloser Farbigkeit. Es ist
eine sanfte, mysteriöse Stimmung die von Rosilene Luduvicos
Bildern ausgeht.
Auch Antje Barnickels Bilder zeigen
das enge Miteinander von Natur und Kreatur, von Mensch und
Tier. Im bewegten Rhythmus zeichnerischer und malerischer Elemente
durchdringen sich Farbflächen und Linien zu figurativen und
abstrahierten Formen. Im Spannungsfeldzwischen Realraum und Imaginationsraum begegnen
sich Mensch und Tier und erschließen dem Betrachter emotionale Empfindungen und
Bindung.
Was
intendieren die Natur- und Landschaftsbilder beider Künstlerinnen? Natur in
ihrer metaphorischen Doppeldeutigkeit wird zum Bühnenraum für die
Übereinstimmung des Menschen mit der Natur und eines sich selbst Erlebens in
der Natur, d. h. die Bilder sind Ausdruck für das Erlebnismoment der Künstlerin
in der Natur sowie dem Wahrnehmen der Naturphänomene als lebendige Kraft an
sich. Folglich sind die Landschaftsbilder Rosilene Luduvicos und Antje
Barnickels romantische Seelenlandschaften, da sie
Ausdruck
individueller emotionaler Befindlichkeiten sind. Sie entstehen in Augenblicken
der
Wechselwirkung
zwischen einer durch die Natur transportierten Stimmung und der in Folge
ausgelösten inneren Zwiesprache, die ihren Niederschlag in der jeweils
individuellen Bildsprache findet. Beiden Künstlerinnen geht es also nicht um
die Wiedergabe einer autogenen Landschaft, der Landschaft an sich, sondern um
einen transzendentalen Bezug, dessen Spiegel die Malerei ist. Moment x Moment.