Ehe Peter
Dreher mit den seriellen Arbeiten aus kleinformatigen Bildern begann, die immer
wieder das gleiche Motiv eines Wasserglases zeigen und ihn zu einer festen
Größe in der Gegenwartskunst machten, war er auf der Suche nach unspektakulären
Motiven, die nicht auf den ersten Blick die Aufmerksamkeit wecken. So entschied
er sich für ein zylindrisches Wasserglas und begann diesen Alltagsgegenstand zu
malen. Nicht nur einmal, sondern täglich, seit 1974. Längst malt Peter Dreher,
inzwischen 77 Jahre alt, nicht mehr jeden Tag, sondern nur dann, wenn er in der
richtigen Verfassung ist, ein gutes Bild zustande zu bringen. Die Bilder
entstehen in zwei parallelen Reihen: Zum einen als Tag-Bilder: Unterschiedliche
Lichtverhältnisse verwandeln den immer gleichen Gegenstand des Glases. Zum
anderen als Nacht-Bilder. Auch hier bleibt der Gegenstand gleich. Sie entstehen
jedoch bei konstanter künstlicher Beleuchtung. In den Farbnuancen der Gläser
spiegelt sich, bei genauem Hinsehen, der Raum, in dem das Glas sich befindet.
„Tag um Tag
guter Tag“. Nach diesem Motto malt Peter Dreher seine Bilder vom Glas. Was
bewegt einen Künstler seit 1974, seine übrigen Arbeiten begleitend, beinahe
täglich das gleiche Sujet, ein Wasserglas vor einer weißen Wand zu
malen? Neben der Liebe zur Malerei treibt Peter Dreher u. a. die Auseinandersetzung
mit Wahrnehmungsprozessen an. „Tag um Tag guter Tag”, der Name der Serie, ist
ein Zitat eines zen-buddhistischen Kô-ans aus dem 6. Buch Bi-Yan-Lu
(Niederschirft von der smaragdenen Felswand), einer Sammlung von Sprüchen alter
Meister. Die paradoxen Sinnsprüche entziehen sich der verstandesmäßigen
Erschließung und fordern eine andauernde Vertiefung und Beschäftigung. Im
malerischen Ritual der Beschäftigung mit dem immer gleichen Gegenstand lösen
sich Bindungen an die Realität, an subjektive Bewertungsmaßstäben und an
strukturelles Denken. Gleich einer Meditation steigert sich die Intensität der
Wahrnehmung durch die immer wiederkehrende Konzentration auf das Glas und
dessen intensive Beobachtung. Das Bewusstsein löst sich von Zeit- und Raumvorstellungen
und übt sich in der Konzentration auf das Wesen der Dinge.
Weit über
4.500 Gläser sind entstanden. Sie bilden das Zentrum seines Werkes und viele
von ihnen werden in der Ausstellung des Kunstvereins Münsterland e.V. ebenfalls
präsentiert. Ergänzt werden diese Arbeiten durch Blumen Bilder in Öl und als
Aquarelle. Anlass für die Blumen-Aquarelle war ein Werbeplakat. Auch hier
spielt der Künstler mit der Wahrnehmung. Die Malerei Peter Drehers bringt die
Natur dem Betrachter näher als jede gedruckte Fotografie.
Zum ersten
Mal werden Blumen-Zeichnungen Peter Drehers der Öffentlichkeit präsentiert. Sie
zeigen in ihrer sensiblen Differenziertheit eindrucksvoll das künstlerische
Vermögen und die anhaltende Produktivität des Künstlers.
VITA
1932 geboren
in Mannheim
1950 - 1956
Studium an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste, Karlsruhe bei Karl
Hubbuch, Wilhelm Schnarrenberger und Erich Heckel
1965 Leiter
der Malklasse an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste Karlsruhe,
Außenstelle Freiburg