Zikkurat

Im Werk des Kölner Künstlers Michael Growe (geb. 1960) ist das Problem des Farbraums und der Körperlichkeit von Farbe von zentraler Bedeutung. Auf Tafelbildern und bemalten Skulpturen, die manchmal wie Möbel benutzbar sind, entwickeln Growes Farben raum- und körperbildende Kraft. In mehreren Arbeitsschritten fügt der Künstler Farbschicht auf Farbschicht auf den zumeist höl-zernen Bildträger, um die so gewonnene Oberfläche im weiteren Prozeß der Werkentstehung wieder anzuschleifen, frühere Farbschichten zum Teil wieder frei zu legen und damit die zeitlich bedingte Entstehung einer jeden Arbeit an der Obrfläche bewußt erlebbar zu machen. Ab-schließend wird die geglättete Oberfläche mit einer matt schimmernden Wachsschicht überzogen, die das Bild in eine deutlich wahrnehmbare Distanz zum Betrachter rückt und es zum Raum hin abgrenzt. Growes Arbeitsweise ist emotional und expressiv. Durch die Interaktion von verschiedenen Farbwerten und die konzeptionell begründete Organisation der Bildfläche wird der Blick des Betrachters in Bewegung versetzt. Wie zwischen zwei Polen entfaltet die Farbe ihr energiereiches Potential. Flächige Bildelemente erinnern häufig an architektonische Versatzstücke, an elementare Prinzipien des Bauens sowie an das Auf- und Übereinanderschichten einzelner Bauglieder zu einer in sich ausgewogenen Einheit. Growes skulpturale Werke stehen für eine Loslösung der Farbe von der Wand und dem zweidi-mensionalen Bildträger. Mit ihrer voluminös gebundenen Form werden die Farb-Körper frei im Raum plaziert, wo sie sich dem Betrachter unmittelbar entgegenstellen und als gleichwertiges Ding unter den übrigen Dingen in ihrer Umgebung ihre eigentümliche Wirkung entfalten. Durch den je eigenen Farbklang erhalten Growes skulpturale Arbeiten eine eigenständige Identität. Mit ihrer körperhaften Präsenz strukturieren sie den vorgegebenen Raum und machen diesen zugleich als ein sinnlich wahrnehmbares Phänomen erlebbar, indem sie aktiv seine Anschaulichkeit beeinflussen.

Die Ausstellung im Kunstverein Münsterland zeigt aktuelle Bilder des Künstlers sowie eine Auswahl von Möbel-Stücken und kleineren Skulpturen. Die Ausstellung findet in Kooperation mit der Pfalzgalerie Kaiserslautern, dem Museum der Stadt Ratingen und dem Stadtmuseum Beckum statt. Es erscheint ein Katalog mit 80 Seiten und 50 Farbabbildungen. Ausstellung und Katalog werden gefördert vom Landschaftsverband Westfalen-Lippe, Abteilung Kulturpflege.

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