Markus
Linnenbrinks künstlerisches Ausdrucksvermögen manifestiert sich auf
verschiedenen Darstellungsebenen. Zu Bildern, Skulpturen und Arbeiten auf
Papier treten seit Mitte der 1990er Jahre vermehrt raumbezogene Malereiprojekte
hinzu, mit denen der Künstler die Farbe von traditionellen Bildzwängen befreit
und sie über den Boden, Wände und Decke in den Raum führt. Malerei expandiert
in die Architektur, Farbe erobert den Raum. Der jeweilige Ausstellungsraum wird
buchstäblich zu einem begehbaren Bild, das den Besucher mit Farbe komplett
umgibt und ihn unmittelbar körperlich sowie unausweichlich mit der lichtvoll
pulsierenden Wirkungskraft der Farbe konfrontiert.
Linnenbrinks jüngste Bilder erscheinen als
körperhafte, komplex zusammengesetzte Gebilde, die Malerei mit dem Medium
Fotografie kombinieren. Der Künstler montiert dabei mittels eines
collageartigen Vorgehens Fotografien auf eine Holzplatte, die, mit einem
erhöhten Rand versehen, Schicht um Schicht formatfüllend mit farbigem
Epoxydharz übergossen wird, so dass am Ende des prozessual verlaufenden Werks
ein dreidimensionaler, kastenartiger Bildkörper erscheint. In einem weiteren
Arbeitsschritt werden aus dem Farbkörper regelmäßige Löcher herausgefräst, die
an ihren Rändern den durch verschiedene übereinander gelagerte Farbschichten
gestalteten Bildaufbau sowie in ihrem jeweiligen Zentrum die zuunterst
befindlichen Fotografien ausschnitthaft erkennen lassen. Die glattwandige
Bildoberfläche verändert je nach Lichteinfall und Blickwinkel der Betrachter
ihre jeweilige Erscheinung. Unter jeweils wechselnden Blickwinkeln offenbart
sich die Farbhaut in einer Vielzahl farbiger Übergänge und Schattierungen.
Die raumgreifende Expansivität der Farbe
erhält durch voluminösen Farbkörper eine weitere Ausdrucksdimension. Farbe wird
in dieser dreidimensionalen Form als ein unmittelbares Gegenüber, als ein
körperhaftes, sich ausdehnendes und zusammenziehendes, atmendes und sich
optisch ausdehnendes Gebilde erlebbar.
Markus Linnenbrink erweist sich damit als
ein Künstler, der die Malerei zu neuen Ausdrucksdimensionen führt und sie durch
die auf verschiedenen Ebenen erwirkte Verräumlichung der Farbe in lebendiger
Diskussion hält.
zu Jahresgaben