Dogs

Kunstverein Münsterland

Coesfeld, Juli 2012

In unseren Arbeiten spielen wir oft mit Gegensätzen: Natürlichkeit gegenüber Künstlichkeit, Alltagsrealität gegenüber Kunstkontext, Außenraum gegenüber Innenraum. Wir interessieren uns für gewöhnliche Dinge und Erfahrungen, die durch außergewöhnliche Arrangements und Kombinationen zur Träger neuer Bedeutungsschichten werden. Wir laden unsere Betrachter ein, eigene Assoziationen und Erinnerungen einzubringen um neue Perspektiven dem Alltag zu entlocken.

In der Installation Dogs für Kunstverein Münsterland kombinieren wir dreißig lebensgroße Hundefiguren mit einem Geflecht von Hundeleinen aus gelben Maßbänden.

Im Laufe mehreren Monaten haben wir jeden Tag Berliner Hunde an den Leinen fotografiert und eventuell aus Plastiform (Modelliermasse aus Holz und Cellulose) nachgebildet. Ein sichtbarer Element Berliner Straßenbildes, teilen die Hunde sowohl "private" als auch "öffentliche" Räume mit Menschen. Häufig werden die zu „modische Accessoires“ oder sogar zu „Status-Symbolen. Eine Hundeleine deutet auf Kontrolle und Zugehörigkeit, Macht und Liebe, Abhängigkeit und Schutz.

 

Obwohl die Mehrheit der Hunde in der Ausstellung einen Eindruck von einer Meute hinterlassen kann, ist es nach dem zweiten Blick offensichtlich, dass jeder in eine lebendige und andersrum gefrorene Pose abgebildeter Tier, für sich existiert. Die Hundefiguren sind in verschiedene graue Töne gehalten (die verschmelzen sich mit den Farben einer Großstadt (Beton, Asphalt, Staub) und haben keine Details, was zu einer abstrahierte Erscheinung führt: sind die Hunde nur Schatten oder vielleicht Fensterpuppen in einem Modegeschäft?

Für die Installation in Coesfeld benutzen wir mehrere Hunderte Maßbände, die einen Landschaft von übereinander gekreuzten Linien bilden und dadurch einen surrealen, absurden Raum schaffen. Ein Maßband ist ein seit Jahrhunderten bekanntes Gerät um Distanzen zu messen. Mit unseren Bänden/ausziehbare Hundeleinen kann man nichts genau messen und niemanden kontrollieren.  Die gelben Bände ziehen sich durch den ganzen Raum und können einen Gefühl vermitteln, dass es sich hier um eine unendliche Band handelt.

Menschen glauben alles kontrollieren und messen zu müssen um die Welt zu verstehen und sind häufig überzeugt, dass die von ihnen gesetzten Messwerte auch für die anderen gelten. Metaphorisch betrachtet, geht es uns in der Installation Dogs um die Komplexität des Besitz und Besitztums

Surreale Wirkung dieser raumgreifenden Installation wird durch eine Wand von Filzstift-Zeichnungen auf Transparentpapier ergänzt. 

Maria und Natalia Petschatnikov