"Denkspuren" Fotomontagen 1990-2002
Die Fotomontagen des Belgischen Künstlers Marc Schepers (geb. 1952) beziehen ihre besondere Ausdruckskraft aus dem Dialog zwischen einer präzisen visuellen Struktur und der emotionalen Aufladung der verwendeten Bilder. Schepers benutzt hauptsächlich Schwarz-Weiß-Fotografien aus Zeitungen und Journalen, die häufig Menschen in Extremsituationen, als Teilnehmer von Demonstrationen und Protestaufmärschen zeigen. Hinzu treten fotografische Nahaufnahmen von Körpern, Gesichtern, Händen, Armen und Beinen, die in ihrer fixierten Haltung etwas von der Spannung und Emotionalität der ursprünglichen Szenerien verraten.
Schepers vergrößert mit Hilfe fotografischer Verfahren bestimmte Details und löst Teile aus ihrem ursprünglichen Zusammenhang, um die so gewonnenen Bildelemente zu einem neuen, beziehungsreichen Ordnungsgefüge zu verknüpfen. Neueste Arbeiten verbinden Bild- mit Textfragmenten von Dichtern und Kulturphilosophen, um daraus eine beziehungsreiche Einheit zu schaffen.
Erklärte Vorbilder stammen aus dem Bereich der Filmgeschichte. Es sind Regisseure der französischen Nouvelle-Vague-Tradition wie etwa Jean-Luc Godard oder Francois Truffaut, die durch ihre unvermittelte Schnittechnik den Film Mitte der 60er Jahre revolutionierten und die Schepers immer wieder aufs Neue inspirieren. Sein eigener Weg führt über einzelne, von der offiziellen Geschichtsschreibung vernachlässigte Details, über Indizien seiner persönlichen Geschichte, zum eigentlichen Werk, in dem sich eine Vielzahl von gesellschaftsrelevanten Fragestellungen spiegeln. Seine Kunst thematisiert dabei die soziale Wirklichkeit, das Wesen menschlicher Leidenschaften, Handlungen und Emotionen.
Indem Schepers die historisch verbürgte Kontinuität des auf Fotos gebannten Geschichtsverlaufs aufbricht und die so gewonnenen Stücke zu einer neuen Einheit zusammenzufügt, entstehen ungewohnte Zusammenhänge, die mit ihrer optischen Eindringlichkeit an die Bereitschaft des Betrachters appellieren, Sinn und Verlauf von Geschichte neu zu erfahren und die Grundsätze des eigenen Geschichtsbegriffs kritisch zu überdenken.
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