Echo
Der Kunstverein Münsterland e.V. hat zusammen mit den Freunden und Förderern des Museums der Stadt Ratingen und in Kooperation mit Manfred Müller ein Ausstellungskonzept erarbeitet, das die Werkgruppen der letzten 10 Schaffensjahre in einer eigens auf die jeweilige Raumsituation der beiden Häuser zugeschnittenen Inszenierung zeigen wird. Im Werk von Manfred Müller sind, ausgehend von seinen Skulptureninstallationen und Inszenierungen in den letzten Jahren und auch parallel dazu, zahlreiche Zeichnungen, Fotos und Collagen entstanden, die - gleich einem Echo - eine Schlüsselposition in seinem Schaffens- und Wahrnehmungsprozeß einnehmen.
Hierbei scheinen einzelne Werkgruppen offenbar zunächst keinen definitiven Zusammenhalt zu besitzen, sondern sich über Jahre hinweg kontinuierlich zu erweitern. Sie weisen auf verschiedene Ausdrucksbereiche, die aber bei näherer Betrachtung alle ausgerichtet sind auf eine klare, konsequent und entschieden vorgetragene Formulierung des skulpturalen Handelns. Dieses skulpturale Handeln entsteht mehr und mehr in der Balance zwischen einer fast strengen, konzeptualen Gradlinigkeit und persönlich geprägten, körperhaften Bezügen, die trotz der konstruktiven Strenge etwas sehr Sinnliches und auf das menschliche Wesen bezogenes vermitteln.
Bei aller vom Objekt selbst hervorgerufenen Sinnbestimmung jedoch, beispielsweise bei seinen dreidimensionalen "Kartonkörpern", die er auch "Mantel" nennt, womit er eine gewisse Assoziation impliziert, geht Manfred Müller davon aus, das er ein abstraktes Zeichen setzt. Hinter der Illusion des Mantels oder Mantelkörpers steckt für Müller auch ein skulpturales, architektonisches Phänomen. Ein Mantel oder eine Schutzhülle können für ihn auch ein Raum oder eine Mauer sein. Müllers Ziel ist es, die Körperlichkeit der Dinge zu klären und in in der geforderten Räumlichkeit zu präsentieren. Auch die eher flächenbezogen wirkenden Kartoncollagen (Werkreihen "LCI" und "Olympic Boulevard") erfahren durch ihre Körperlichkeit an sich eine Räumlichkeit, auf die auch der Mal- und Zeichengrund ausgerichtet ist und damit zu plastisch räumlicher Entfaltung gerät.
Ähnlich verhält es sich mit seinen nachträglich mit Farbe überarbeiteten Fotos von seinen Skulpturinstallationen, deren räumliche Wirkung dadurch hervorgehoben, verfremdet, immer aber vielfältig modifiziert wird. Auch das Licht an der Westküste (Santa Monica/Cal.) spielt, raumbildend, in seiner Spiritualität eine weitere, neue Rolle in den Werken und taucht wiederholt in verschiedenen Kontexten auf ("Twilight und Yearning", Pier von Sante Monica). Ganz generell beschreibt die hochinteressante Werkgruppe der überarbeiteten Fotos, deren Motive Müller als eine Art "Objet trouvé" scheinbar zufällig zufallen und ihn offenbar zu seinem "skulpturalen Handeln" herausfordern und wie "Erinnerungsspuren" eingesetzt werden, seinen Schaffensprozeß sehr klar und gibt so Einblick in die künstlerische Intention seiner Werke, die, wie alle Kunst, zugleich Sinnzeichen des Lebens sind.
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