"Quiero ser/ Ich will sein."

Manfred Hoinka präsentiert in der Ausstellung "Quiero ser/ Ich will sein." u. a. 600 Lehmschalen, die aus genau 200g Ton geformt sind. Dr. Erich Franz schreibt im Katalog Manfred Hoinka: Plastiken - Installationen - Zeichnungen, 2007 dazu: "Und selbst die Ähnlichkeit der zahllosen Schälchen, die Hoinka wieder und wieder aus kompakten Tonklumpen von immer 200 g räumlich auseinanderdrückt, betont die immer neue Tätigkeit am immer Gleichen. Sind nicht auch die Zeichnungen von Hoinka, die er mit feuchtem Lehm auf der Wand ausbreitet oder mit wässriger Tusche oder groben Graphit über das Papier verteilt, eigentlich stark verdünnter und aufgelöster Staub? Selbst eine kubistische Steinskulptur wirkt bei Hoinka nicht starr, sondern führt den Betrachter auf ihre langwierige Herstellung im Ausgleich von Wegnehmen und Stehenlassen hin.... Alle Bewegung behält bei Hoinka etwas Zuständliches. Bedächtiges und Ruhiges. auch die expressiv ausfahrenden Gesten in seinen Lehmskulpturen und Zeichnungen richten ihre Dynamik doch niemals über sich hinaus, sondern bremsen die sukzessive Wahrnehmung und überführen sie in einen ausgewogenen Zustand der Ausbreitung und nuancierten Verhaltenheit. Andererseits enthalten auch Hoinkas ruhige Werke den angespannten Prozess ihrer Herstellung: ihr Zustand wird als aktiv Erreichtes aus einem mitgedachten Vorgang begriffen. So stehen Hoinkas Werde niemals als fertige Ergebnisse vor Augen, sondern führen Außen und Innen zu einer meditativen Ruhe zusammen, deren Form sowohl ihr entstehen wie auch ihr Vergehen enthält.

 

In dieser Prozessualität verbinden sich Materie und Geist; die Prozessualität löst sich von der zuständlichen Materie als geistiger Vollzug, den der Betrachter in dieser Materie hineinsieht und hineinfühlt.

 

Jutta Meyer zu Riemsloh