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Erinnerungen nachzuspüren ist ein komplexer und weit reichender Prozess. Besonders im Betrachten der Natur liegt eine suggestive Kraft, ausgelöst durch die Wahrnehmung mit allen Sinnen. Alfred North Whitehead schreibt in seinem Buch „Der Begriff der Natur“ „In dieser Sinneswahrnehmung wird uns etwas bewusst, was nicht gedacht und gegenüber dem Denken, dem es vorliegt, eigenständig ist.“

Klaus Lomnitzers künstlerisches Werk thematisiert diese Zwiesprache und Suche nach imaginären Bildern der Innerlichkeit. Das ausgewählte Motiv aus dem Skizzenbuch oder der Fotosammlung, zumeist entstanden anlässlich von Wanderungen, Reisen oder Erlebnissen in der Natur, wird zum Auslöser eines inneren Diskurses, bei dem eine eigene Sicht auf Ereignisse hinzugefügt und Schwerpunkte durch den Künstler gesetzt werden. Die malerische Umsetzung gleicht einem Transformationsprozess. Klaus Lomnitzer beschreibt diesen Zustand der Entstehung eines Bildes als Moment „zwischen Meditation, wissenschaftlicher Neugier und kindlicher Begeisterung und Staunen über das Leben.“ Der Künstler „ registriert dabei nicht nur kleinere oder makroskopische Ereignisse, sondern auch die Geräusche, ob es Windböen, knackende Hölzer, auf Wasser fallende Regentropfen, Vogelstimmen oder andere Tiergeräusche sind.“

Das Trägermaterial der Bilder ist seit 1999/2000 vorrangig PVC-Folie. Diese wird nach einem Anschliff, der eine „Mattierung“ hervorruft, zumeist von der Rückseite, liegend, in bis zu 15 Schichten mit Acrylfarbe in wässriger Konsistenz bemalt.

Erneute Übermalungen, Bemalungen der Vorderseite, jedoch auch Abtragungen nach dem Trocknungsprozess sind ebenfalls möglich, wenn die Komposition dies erfordert. Der Bildaufbau muss vom Künstler „spiegelverkehrt“ gedacht werden, vergleichbar mit der Technik der Hinter-Glas-Malerei oder in Korrespondenz zu druckgrafischen Prozessen.

Es entstehen illusionistische Räume mit enormer Transparenz und haptischer Qualität. Die Staffelung der Farbschichten innerhalb eines Einzelbildes sowie die Überlagerung der Bildträger übereinander erzeugen eine Tiefenräumlichkeit und gleichzeitige Dichte der Motive und bewirken Anmutungen des Stillhaltens und feinfühliger Kontemplation. Sichtbar wird ein „Gedankenspiegel“, dessen Komplexität und pulsierende Dichte eine außerordentlich eindringliche Wirkung auf den Betrachter hat.

 

Jutta Meyer zu Riemsloh