Radierungen Unikate aus den Jahren 1969 - 1997

Mit einer Ausstellung von mehr als 100 Radierungen Gotthard Graubners (geb. 1930) eröffnet der Kunstverein Münsterland seine neuen Räume am Jakobiwall in Coesfeld. Graubner zählt seit nunmehr fast vier Jahrzehnten zu den international bedeutendsten Künstlern unserer Zeit. Der zweimalige documenta-Teilnehmer Gotthard Graubner wurde in der Kunstwelt vor allem durch seine Kissenbilder und Farbraumkörper bekannt, die seit 1970 sein Werk maßgeblich prägen. Daneben existiert ein reichhaltiger Bestand von Aquarellen, Zeichnungen und verschiedensten Arbeiten auf Papier, die das feinsinnige Gespür des Künstlers für die spezifischen Ausdrucksmöglichkeiten des jeweiligen Gestaltungsmediums wirksam zur Darstellung bringen.

Weniger bekannt, aus gestalterischer wie kunsthistorischer Sicht jedoch nicht minder bedeutsam ist Graubners druckgraphisches Werk, das nun erstmals in ausführlicher Breite innerhalb einer Einzelausstellung präsentiert wird. Die Ausstellung vereint Werke aus den späten sechziger Jahren, die zunächst noch von einer vergleichsweise zurückhaltenden Farbigkeit und einem zarten, fast verletzlich wirkendem Lineament geprägt sind, mit Probe- und Zustandsdrucken aus den siebziger und achtziger Jahren, die vom einem eigenständigen Fluß der Farbe im Zusammenspiel mit rhythmisch bewegten Linienstrukturen dominiert werden. Hinzu treten die in jüngster Zeit entstandenen Monoprints und Monotypien, mit denen Graubner das intime Format der frühen Jahre verläßt, um sich in Form, Größe und Art der Gestaltung tendenziell seinen Bildern anzunähern. Der Hauptakzent liegt bei diesen großformatigen Arbeiten auf dem klangvollen Dialog einzelner Farbwerte, die Graubner mit größter Sensibilität in Beziehung zueinander setzt, um die Farbe durch eine Vielzahl von Nuancen sinnlich erfahrbar werden zu lassen.

Die Farbe erscheint in den Bildern Graubners als alleiniger Gestaltungsträger. Sind sind geprägt von der eigenständigen Dynamik der Farbe. „Die Aktion der Farbe ist das Entscheidende. Ich beobachte ihr Eigenleben, ich respektiere ihe Eigengesetzlichkeit. (...) Ich benutze die Farbe nicht als Illustration von literarischen Themen. Farbe ist mir selbst Thema genug.“ (Gotthard Graubner) Malerei versteht er als einen organischen Prozeß, als Verdichtung der Farbe zur Form. Seine Bilder wollen „mitgeatmet“ werden, sie gehen aus „vom Atmen, vom Ausdehnen und Zusammenziehen“, ihre wesentliches Prinzip besteht im dialogischen Miteinander von Farbkontrasten und der damit erzeugten spannungsreichen „Kommunikation von kalten und warmen Werten“. (Gotthard Graubner)

Die visuelle Annäherung an seine Bilder wird durch eine potentielle Unabschließbarkeit bestimmt, die sich darauf begründet, daß der Blick bedingt durch die dynamisch bewegten Farbdurchdringungen beständig in Bewegung gehalten wird und damit kaum einmal zu einem definitiven Ende gelangt.

Uwe Schramm

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