Die in der Ausstellung vertretenen Künstler beschäftigen sich mit der sinnlichen Erfahrbarkeit von Klang, Rhythmus und Raum. Die ausgestellten Collagen, Wandobjekte und Skulpturen formulieren Positionen, die in grenzüberschreitender Weise den Kontakt zu verschiedenen Nachbardisziplinen suchen und insbesondere zur Musik nachhaltige Bezüge aufweisen.

Gabriele Stirl greift in ihrem Werk auf musikalische Strukturen und Prinzipien zurück, um diese unter loser Verwendung in ihre reliefhaften Wandobjekte und Papiercollagen zu integrieren. Minimale Formvariationen, Serialität sowie die Anordnung der Baumaterialien in Schichten und Überlagerungen erinnern an verwandte Strukturen in der Musik. „Eine Grundstruktur wird immer neu variiert bei bleibenden Bildelementen. Meine Themen sind insofern Variationen, Rhythmen, Verlagerungen, Verschiebungen, Zerteilungen, Additionen, Retardierungen, Verlängerungen. Meine Vorgehensweise entspricht der Bauweise eines Musikers, ohne Musik illustrieren zu wollen.“ (Gabriele Stirl)

Gaby Terhuven verwendet Glas als Bildträger, womit die scheinbare Zweidimensionalität der Gestaltung aufgebrochen wird und an Transparenz und Tiefe gewinnt. Mit Ölfarbe teilweise über- oder hintermalt, ergeben sich auf dem Glas matte und spiegelnde Oberflächen. Durch die partielle, rhythmisch wiederkehrende Bemalung der Scheiben, durch den wiederkehrenden Wechsel durchsichtiger, halbdurchsichtiger und opaker Bildpartien ergibt sich ein klar gegliedertes Raumgefüge, das stellenweise Einblicke in das Bildinnere gewährt und stellenweise verweigert. Dadurch entsteht ein mehrschichtiger, visuell faßbarer Bildraum, der Innen und Außen in Beziehung setzt. Partituren neuer Musik, z.B. von Stockhausen oder Cage, und Ausschnitte elektronischer Musik bilden für Gaby Terhuven wichtige Orientierungspunkte bei der Umsetzung ihrer künstlerischen Intentionen.

Bereits seit den 60er Jahren experimentiert Peter Vogel mit elektronischen Medien. Aus der „Freude am Spiel“ entstanden in der Folgezeit klangerzeugende Skulpturen und Wandobjekte, die den Betrachter in den künstlerischen Realisationsprozeß mit einbinden. Vogels Kunst ist interaktiv. Sie richtet sich auf die Kommunikation mit dem Betrachter. Seine Werke laden dazu ein, durch Bewegung und Schattenwechsel selbst Klänge, Geräusche und seit neuestem auch Lichteffekte auszulösen. Die klare Präzision der Maschinenästhetik und die bewußt belassene Sichtbarkeit von Widerständen, Transistoren, Sensoren, Metallstäben und diversen anderen elektronischen Bauteilen stehen oftmals in reizvollem Kontrast zu den zufallsbedingten Klangstrukturen und Tonreihen, die sich, ausgelöst durch das dynamische Verhalten des Betrachters, scheinbar wie von selbst ausbreiten und nach geraumer Zeit wieder verstummen.

Uwe Schramm

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