Unterbodenschutz, Ölspachtel, Schellack - Arbeiten auf Papier

Zeichnungen nennt der in Dortmund lebende Maler und Bildhauer Erich Krian (geb. 1948) seine Arbeiten auf Papier, die innerhalb seines umfangreichen Gesamtwerks einen eigenständigen Bereich repräsentie-ren. Krians Graphiken dienen nicht der Vorbereitung von später geschaffenen Objekte oder Skulpturen, sondern für sich stehend und an unterschiedliche Formate gebunden, lassen sie Räume sichtbar werden jenseits des rational meßbaren Kalküls. Mit ihnen werden die besonderen Wirkungseigenschaften der zum Einsatz gebrachten Materialien ausgelotet und in einen faszinierend vielschichtigen Zusammenklang gebracht.

Krians Zeichnungen bestehen aus Ölspachtel, Unterbodenschutz und Schellack, mit denen er auch seine dreidimensionalen Skulpturen und Objekte behandelt, bearbeitet und gestaltet. Das Öl sickert ins Papier, hinterläßt dort eindeutige Spuren, bildet Binnenflächen innerhalb der Gesamtgestaltung und läßt die Oberfläche an bestimmten Stellen transparent erscheinen. Das Schellack überzieht das Papier mit einer Art Versiegelung, macht es offenbar unempfindlich für Einflüsse von außen und verweist in sei-ner goldfarbenen Durchsichtigkeit auf jene Farbwerte, die sich unter ihm schichtweise ausbreiten. In Öl gelöste Pigmente hinterlassen auf der Blattoberfläche einen fast halbtransparenten Farbhauch, dessen zurückhaltende Präsenz oftmals in hartem Kontrast zur massiven Schwere der in mattem Schwarz ge-haltenen Bildpartien steht. Die zähflüssige Konsistenz der Materialien bewirkt eine reliefhafte aufgeworfe-ne Oberflächenstruktur. Grate und Schlieren innerhalb der auf das Papier aufgebrachten Farbsubstanz verraten die individuelle Handschrift des Künstlers und verweisen auf den prozessualen Verlauf der Bildentstehung.

Krians Zeichnungen entstehen zumeist in Serien, auf handelsüblichen Papieren, bei denen oftmals noch die Abrißkante vorhanden ist und als eigenständiges Gestaltungselement hervortritt. Die Lini-enstrukturen entwickeln sich dabei sowohl als gestisch freie Setzungen als auch in architektonisch klaren Gliederungssystemen.

Uwe Schramm

Die Ausstellungsreihe war ein Gemeinschaftsprojekt des Kunstvereins Münsterland, des Stadtmuseums Beckum, des Museums Goch, der Städtischen Galerie Albstadt und des Kulturforums Rheine. Zur Ausstellung erschien ein Katalog mit 158 Seiten und ca. 100 Farbabbildungen. Der Katalog enthält Textbeiträge von Ingo Bartsch, Martin Gesing, Stephan Mann und Uwe Schramm und ist im Kunstverein für € 19,- erhältlich. Katalog und Ausstellung wurden gefördert vom Landschaftsverband Westfalen-Lippe, Abt. Kulturpflege.

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