PRIVACY - THE BLUEBERRY CYCLE

 

Dieter Mammels künstlerisches Schaffen zeichnet sich aus durch enorme Vielfalt und Fertigkeit. Seine Sensibilität und sein Gespür für menschliche Befindlichkeiten jenseits des Offensichtlichen machen die unmittelbare auratische Kraft und Intensität seines Oeuvres aus. Es geht also immer um uns  - um individuelle Lebenswahrheit. Dieser Faszination und Herausforderung ist schwer zu entgehen.

 

Die in der Ausstellung PRIVACY des Kunstvereins Münsterland präsentierten  monochromen Bilder des "Blueberry Cycles" bergen grenzenloses Ausdruckspotenzial an emotionalen und existenziellen Empfindungen.  Aus dem Weiß der ungrundierten Leinwand erscheinen im Licht und Schatten Menschen, deren individuelle „Privacy“ eines zumeist flüchtigen Augenblicks im Bild kristallisiert. Scheinbar aus dem Nichts verwandelt „Blueberry“, die Mischung aus der Farbe Magenta des "Magenta Lovers" Zyklus und dem Blau der "Feeling Blue" Serie, in Korrespondenz mit der Leinwand Körper und Gesichter in ihrer realen Materialität in einem hoch komplexen sensiblen Prozess zum Spiegelbild des gefühlsbestimmten Seins. Gefühle, als Grundbefindlichkeit des Erlebens, treiben Dieter Mammel an, die eigene Geschichte oder die Geschichte Anderer durch Malerei fortzuschreiben oder Nachbilder zu fixieren. Dabei sind die Grenzen zur Realität fließend. Die Spuren des Lebens werden in den Bildern der Innerlichkeit nach Außen reflektiert und kehren als Erfahrung und Verdichtung der Gegenwart in die Bildlichkeit zurück.

 

Fläche und Raum verschmelzen zur Erfahrungstotalität. Im Strom des "Blueberry" lösen sich menschliche Konturen auch wieder auf, erscheinen verzerrt gleich der Reflexion eines Vexierspiegels. Die Stärke der dargestellten Emotionen lässt die Wirklichkeit zerfließen. Aus nächster Nähe mit dem Geschehen konfrontiert, bleibt der Gesamtüberblick verwehrt. Realität verliert sich durch intensive Nahsicht und weicht Träumen und Assoziationen, denn im Übergang zwischen scheinbar Realem und der Imagination spielen Zeit und Raum keine Rolle. Schärfe und Unschärfe, Weichzeichnungen, Licht und Gegenlicht sowie die Negativverkehrung des Verhältnisses von Hell und Dunkel bewirken unterschiedliche Fokussierungen des Blickes. Gleich Filmstills, ausschnitthaft, in großformatiger Konzentration erscheinen Momente der Innerlichkeit. Nur aus der Distanz und in der Bewegung erschließt sich das Motiv in seiner ganzen Komplexität und offenbart scheinbar Reales. Nicht fassbar entzieht es sich sogleich wieder im Zerfließen der Farbschlieren

 

Jutta Meyer zu Riemsloh