Zu den Arbeiten Ulrich Möckels
(Bildhauerei) und Christoph Seidels (Malerei)
Ulrich Möckel, geb. 1949 in Hannover, Studium an
der Kunstakademie Münster bei Udo Scheel, Meisterschüler, wohnt und arbeitet in
Beckum
Christoph Seidel, geb. 1964 in Bad Rothenfelde,
Studium an der Kunstakademie Münster bei Jochen Zellmann und Paul Isenrath,
Meisterschüler, wohnt und arbeitet bei Osnabrück
DIESE LANDSCHAFT IST NIRGENDWO
Sowohl Seidel als auch Möckel reflektieren ihr
jeweiliges Lebensumfeld, das vorwiegend ländlich geprägt ist, in ihren
Arbeiten. Möckel nutzt Bäume als formbildendes Ausgangsmaterial für seine
Untersuchungen, demgegenüber die Arbeiten von Seidel in der Mehrheit von der
Farbe grün dominiert werden.
Auffällig ist in beiden Arbeiten die intensive, formale
Verarbeitung auf unterschiedlichen Ebenen des zunächst natürlich anmutenden
Materials. Serielle Bohrungen, Rasterstrukturen und Flechtwerke in der
Bildhauerei korrespondieren mit Tröpfchenbildung, Gitterstrukturen und
eingelagerten Geometrien in den Bildern. Darüber hinaus stellt sich in den
Werke der Eindruck des Fragmentarischen ein. Die Arbeiten verweisen auf einen
größeren Zusammenhang. Bei Möckel auf den ganzen Baum in seiner Fülle (auch als
"soziales Wesen"); bei Seidel scheint das Bild Ausschnitt eines
allumfassenden großen Farbkosmos zu sein.
Möckel bezeichnet sich als Finder von Formen, die er in
der Landschaft antrifft und in Serien von Arbeiten im Atelier variiert durch
formale Interventionen, materielle Umwandlungen, sowie hoch differenzierte
Oberflächenbehandlung.
Seidels Bilder entstehen aus einem aktiven Malprozess,
deren Rahmen ein offen formuliertes Arbeitskonzept bildet. Die Produkte
behaupten sich zunächst als autogene, malerische Ereignisse, die erst auf der
zweiten Ebene durch eine überraschende Nähe zu organischem Strukturen erkennbar
werden. Sie erfinden Landschaft auf der Bildebene neu.
Ein weiterer Widerspruch zwischen beiden Werken liegt,
auch bedingt durch das Medium, im unterschiedlichen Begriff von Raum. Möckel
geht mit "Realitäten" um: Form, Volumen, Masse, Oberfläche und
Verortung im konkreten Raum. In Seidels Bilderwelten bleibt der Eindruck von
Struktur, Licht und Verschattung, Tiefe und Nähe vorherrschend, freilich in
einem illusionistischen Bildraum.
Zum
Ausstellungsprojekt:
In der Spannung zwischen Realraum (Möckel) und
Imaginationsraum (Seidel) werden zunächst die Möglichkeiten menschlichen
Erfahrens und Begreifens von Raum an unterschiedlichen Orten variiert und
erforscht. Damit wird der jeweilige Ausstellungsort in seiner ganzen räumlichen
Qualität ausgelotet.
Indem Möckel von realen Formen der Natur ausgeht, diese
in langwierigen Prozessen transformiert in neues Material um sie danach als
eine sublime Realität im Raum zu präsentieren, deren poetisches Potenzial sich
erst bei genauster Beobachtung der Formveränderungen und Oberflächen entfaltet,
steht er in einem gedanklichen Widerspruch zu den Bildern Seidels. Dessen
Arbeiten wirken zunächst atmosphärisch im Raum, deren ruhige Ausstrahlung
allerdings nur oberflächlich erscheint. Unter dieser Oberfläche herrscht eine
auffallende Dynamik, die dem Eindruck eines verronnenen,etwas flüchtigen,
unkonzentrierten Blick über die Schulter gleichkommt, der nur für kurze Zeit
Gesehenes zu fokussieren vermag, das sich im selben Augenblick schon wieder zu
entziehen droht.
Das Zusammentreffen von Möckels Bildhauerei und Seidels
Skulptur, die jede für sich eine essenzielle Verarbeitung von individueller
Nachturwahrnehmung ist, konstituiert in seiner Summe eine Metalandschaft: Diese
Landschaft ist Nirgendwo.