Im Jahr
2001 war der polnische Künstler Jacek Jagielski zu Gast im Kunstverein
Münsterland. Den seit vielen Jahren intensiven Kulturaustausch zwischen
Künstlern und Kultureinrichtungen aus Polen und dem Münsterland setzt der
Kunstverein Münsterland mit der Gemeinschaftsausstellung von Kamil Kuskowski
und Leszek Lewandowski im Rahmen des Austauschprojektes "Cross over" in
diesem Jahr fort.
„Cross
over“ ist das dreiteiliges deutsch-polnisches Kunstprojekt betitelt, das
bereits 2007 mit der Ausstellung der deutschen KünstlerInnen Wiebke Bartsch,
Anja Jensen, Sabine Swoboda, Jupp Ernst, Carsten Gliese und Dietmar Schmale in
der Galerie Sektor 1 im oberschlesischen Kulturzentrum in Katowice begonnen
wurde.
Im Rahmen
des Münsterlandfestivals pART4 stellen nun im Gegenzug fünf Künstler aus Polen
in vier Kultureinrichtungen des Münsterlandes ihre Werke aus.
2009 werden
dann die beteiligten deutschen und polnischen Künstler in der BWA-Galerie in
Katowice eine große Gemeinschaftsausstellung durchführen.
Das
Gesamtprojekt wurde und wird gemeinsam konzipiert und organisiert durch die
Galerie Sektor 1/Oberschlesisches Kulturzentrum Katowice, das BWA - Katowice
und die Kloster Bentlage gGmbH Rheine.
Kooperationspartner
sind in Deutschland der Kreis Coesfeld, der Kulturspeicher Dörenthe in
Ibbenbüren, der Kunstverein Münsterland in Coesfeld sowie die
Künstlervereinigung Welbergener Kreis.
Kulturaustausch
schafft Kontakte und bringt Menschen zueinander. Der Titel "Cross
over" ist nicht nur Hinweis auf den grenzüberschreitenden Charakter,
sondern spiegelt auch die regen und erfolgreichen Kunstszenen des Münsterlandes
und Polens. Er ist zudem Ausdruck für den künstlerischen Dialog der Künstler
untereinander und den Besuchern der Ausstellungen.
Leszek Lewandowski wurde 1960 geboren und ist
Absolvent der Kunstakademie Krakau. Sein Interesse gilt visuellen Phänomenen
unserer zeitgenössischen Kultur sowie Widersprüchen der Geschichte und
ideologischen Ausprägungen. Seine optischen Objekte aus Lampen und Spiegeln,
ebenso wie ready-mades, Malereien und Skulpturen sind angesiedelt zwischen
optischen Täuschungen und Verzerrungen der Realität.
Installationen,
Eingriffe in den Raum, Einsatz von Lichtquellen und das Verarbeiten kinetischer
Elemente: Bei all den von Leszek Lewandowski eingesetzten künstlerischen
Strategien und Mitteln fragt man sich bisweilen schon, in welche Gattung seine
Kunst der raffinierten Interventionen denn eigentlich gehört. Ist er letztlich
doch ein genuiner Bildhauer? Oder ein künstlerischer Allrounder, der mit seiner
gewagten Mischung von traditionellen ästhetischen Gestaltungsarten und dem
kühnen Einsetzen von Artefakten zeitgenössischer Kultur die klassischen
Gattungsbegriffe zu sprengen versucht? Spannend und aufregend ist allemal, was Leszek
Lewandowski stets mit den von ihm bespielten (Ausstellungs-) Räumen so alles
anstellt – seien sie Innenraum oder Fassade: Gerade bekam der Künstler mit den
vielen Interessengebieten den Auftrag, für das Nationalmuseum in Krakau eine
riesige Lichtskulptur zu schaffen. Warum? Weil er, der hierzulande zu Unrecht
noch nicht die Bekanntheit erfahren hat, die ihm zustände, in Polen seit Jahren
zur Avantgarde gehört. Nach seinem Studium hat es Lewandowski immer wieder
verstanden, mit zahlreichen Ausstellungen in Polen – und inzwischen auch
europaweit – für Aufsehen zu sorgen. Das hat er durch seine merkwürdige
Vermengung von optischen Phänomenen mit denen der Gegenwartskultur geschafft –
ein künstlerisches Kalkül, das immer aufs Ganze geht, indem es auf der
Schnittstelle von Realität, Fälschung und Widersprüchen operiert. Egal, ob er
seine Räume mit Glühlampen und Doppelspiegeln ausleuchtet oder mittels
Readymades und Gemälden subversiv auflädt: Lewandowskis Markenzeichen ist die
Herausforderung, die er uns Betrachtern durch das Suggerieren einer optischen
wie semantischen Tiefendimension stellt.
Kamil Kuskowski
Dass er
tatsächlich einer der „Emerging Artists“ ist, wird zumindest in seiner
polnischen Heimat niemand mehr bestreiten, seitdem Kamil Kuskowski, Jahrgang
1973, unlängst in den wohl angesagtesten Galerien für zeitgenössische Kunst in
Stettin, Posen oder Lodz ausgestellt hat. Spätestens seit er in diesem Jahr das
„Contemporary Art Center“ in Warschau mit einer Installation namens
„Air-conditioned Painting“ bedachte – einem großen Goldrahmen an der Wand,
hinter dem sich ein mit rotem Samt ausgeschlagenes Bildkabinett verbirgt – hat
Kuskowski fast schon zur Gänze zur Oberliga des Top-Künstlernachwuchses Polens
aufgeschlossen. Zur Welt ist er im südlichsten Teil seines Vaterlandes
gekommen, in Zakopane, wo er die Staatliche Hochschule für die Schönen Künste
in Windeseile durchlief, um nach einem Gastspiel in Lodz 1999 zunächst
Assistent von Prof. Tadeusz Śliwiński im Bereich Malerei und Zeichnung zu
werden und dann, 2005, auch noch seinen Doktorhut in Empfang zu nehmen. Um es
einfach zu sagen: Kamil Kuskowski macht Gemälde, Installationen und
Video-Arbeiten. Und um sein künstlerisches Ziel auf den Punkt zu bringen:
Kuskowski kreist mit seinen Werken die Bedeutungsebenen der überkommenen
ästhetischen Begrifflichkeiten und Konventionen weiter und weiter ein, um einen
semantischen Point-of-no-Return zu erreichen, an dem jegliche Tradition,
jegliches Klischee, jegliches gewohnte Kunstverständnis schlagartig umkippt und
unwiderruflich in sein Gegenteil verkehrt wird. Da ist es beinahe gleichgültig,
ob Kuskowski, wie oben erwähnt, den klassischen Bildraum sprengt, indem er ihn
einfach begehbar macht, oder ob er bei Details von Kruzifixen die Querbalken
durch verstörende Wortfetzen wie „Ignorance“ und „Materialism“ überblendet.
Oder wenn er in seiner vielteiligen Arbeit „Museum“ Bildinterpretationen per
Audioguide vor traditionellen Rahmen gibt, die nurmehr Farbflächen enthalten:
Immer verstört der junge Pole die Seh- und Denkgewohnheiten, indem der sie
konterkariert und ex negativo radikalisiert. Einige von Kamil Kuskowskis hübsch
verwirrenden, neuen Arbeiten werden im Rahmen des Projekts „Cross Over“
zusammen mit den Werken von Leszek Lewandowski im Kunstverein Münsterland in
Coesfeld präsentiert.