Menagerie
Der Kunstverein
Münsterland widmet der 1980 in Belfast geborenen Künstlerin in Kooperation mit
der Galerie Karsten Greve, Köln im Rahmen des Münsterlandfestivals pArt 6 eine
Einzelausstellung.
Claire Morgans
fragile hängende Installationen spiegeln ihr Interesse an natürlichen Prozessen
und organischen Materialien wider. In ihren Arbeiten setzt sich die Künstlerin
mit den elementaren Bedingungen des Menschen innerhalb seines Lebensraumes
auseinander und zeigt die Unmöglichkeit auf, die Komplexität von Leben und Tod
zu erfassen. Anmut und Schönheit, aber auch Sinnlosigkeit und Horror sind in
ihren Installationen und Zeichnungen präsent. Poetisch und irritierend zugleich
bringen sie die Ambivalenz des Lebens zum Ausdruck.
Die Künstlerin
kreiert hängende geometrische Gebilde, die aus dünnen Nylonschnüren, Blättern
oder Plastikteilchen zusammengesetzt sind. In den geometrischen Formen befinden
sich präparierte Tierkörper, die in Bewegung begriffen sind. Durch die Aktion
der Tiere werden die präzise konstruierten geometrischen Formen aufgebrochen
und dynamisiert, so dass die Objekte zwischen Stillstand und Bewegung, Ordnung
und Chaos oszillieren. Auch wechselt der Eindruck zwischen Schweben und Lasten,
Schwerelosigkeit und Massivität. Die Verwendung von Organischen Materialien,
aber auch künstlichen, unserer Alltagswelt entstammenden Stoffen bewirken eine
simple, aber zugleich ausdrucksstarke Materialität.
Die besondere Spannung in den Arbeiten entwickelt
sich dadurch, dass Claire Morgen einen besonderen Moment einfriert – gleich
einem Standbild. Der Augenblick des Fallens aus einem festen Gefügt, ein
Ansetzen zum Sprung, das verschwinden die Tiere… in den Szenerien befinden sich
die Protagonisten auf ihrem Weg vom Leben in den Tod.
Die Arbeiten zeigen
uns den beunruhigenden Augenblick an der Schwelle, an dem alles zum Stillstand
kommt und mit dem Tod abschließt. Die präparierten Tiere beleben diese Zone des
Übergangs von einer uns vertrauten Welt in eine weniger vertraute mit
körperlicher Präsenz und lebloser Stille. Diese Offenbarung eines an sich für
unser verschlossenen Bereichs der Natur wird in den Arbeiten in unsere Sprache
übersetzt.
Inmitten unserer
kalkulierten Nützlichkeit und Kontrolle über die natürlichen Prozesse zwingt
uns Claire Morgan nach der Basis und den Ursprüngen des Lebens und des Seins zu
fragen. Der Fluss des Lebens wird in ihren hängenden Installationen eingefroren
und die Vision der Katastrophe erscheint uns vor Augen. Eingebracht in eine
sehr formale Komposition entwickeln die Szenerien eine immense melancholische
Energie.
Anmut und Schönheit, aber auch Sinnlosigkeit und Horror
sind in ihren Installationen und Zeichnungen präsent. Sie spiegeln unsere
menschliche Existenz.
Fall Out (Under the Sun), eine Halbkugel aus gelben
Ginkoblättern, durch die Kanarienvögel spiralförmig nach unten stürzen und
Spuren hinterlassen. Der Betrachter kann die Flugbahn der Vögel durch das
Blättermeer zurückverfolgen. Fall out bezeichnet radioaktiven Niederschlag,
auch den pyroklastischen Niederschlag nach einem Vulkanausbruch.
The Grass is
always greener. Der Titel ist ein Sprichwort, in dem Sinne, die
Kirschen in Nachbars Garten schmecken immer ein bischen süßer oder ist die
Farbigkeit des Grün gemeint, dass künstliche Grün der Plastikfolie, das niemals
an das natürliche Grün frischen Grases heranreicht. Zu sehen sind zwei parallel
angeordnete, von einander durch einen breiten Zwischenraum getrennte Quader aus
grünen Plastikteilchen, in denen zwei Eichhörnchen eingeschlossen sind. Die
Tiere befinden sich in einer identischen Umgebung und sind einander zugewandt
und doch voneinander isoliert und innerhalb des Raumes gefangen. Das Gefühl von
Isolation und Enge wird verstärkt durch die grellgrüne, künstlich wirkende
Farbe, von denen die Tiere umgeben sind.
Zeichnen ist
wichtig und erlaubt Claire Morgan eine andere Seite der Idee zu erkunden. Die
Reste der Flüssigkeiten aus den Präparationsprozessen, die auf den Papieren
Spuren hinterlassen, bewirken ein Verständnis des Materials und der Form und
werden oftmals in die Zeichnungen mit einbezogen.
Claire Morgan künstlerische Strategie zeugt von einem
tiefgreifendem Gefühl der Achtung und des Respekts gegenüber dem naturhaft
Gegebenen.
Sie setzt sich mit unserer Beziehungen zur Natur und
unserem kulturellem Lebensraum auseinander, beobachtet, erforscht unsere
Vorstellungen von Veränderungen, die oft nicht im Einklang mit den Kreisläufen
des Lebens stehen, und beschäftigt sich mit dem Verrinnen der Zeit und der
Vergänglichkeit. Dabei wertet sie nicht, sonder erscheint als Chronistin. Ihr Interesse an natürlichen
Prozessen und organischen Materialen zeigt sich in den Arbeiten durch eine
sorgfältige Abwägung des Rhythmus und der Bewegungsdynamik, die die Skulpturen
in sich tragen, dem Sammeln von Samen oder Blüten und den Vorgang des
Präparierens echter Tiere. Ihre hängenden Skulpturen in formaler Formstrenge
und Klarheit
bringen das Chaos
der Natur unter Kontrolle, führen es scheinbar in Balance, sind aber Schauplatz
dramatischer Ereignisse, die uns, trotz aller Schönheit, erschaudern lassen.
Jutta Meyer zu
Riemsloh
Fotos Copyright Galerie Karsten Greve, Köln