Christian Hahns Werk bedeutet für die zeitgenössische Kunst der Gegenwart eine Positionierung der Malerei im modernen Zeitalter digitaler Bildgenerierungen und Intermedialität. Im Mittelpunkt steht deshalb die Entwicklung einer bildimmanenten und ikonografischen Sprache als Reaktion auf die Tendenzen des 21. Jahrhunderts. Dies impliziert auch eine künstlerische Hinterfragung des subjektiv authentischen Duktus des Künstlers in Bezug auf die reproduzierbare bildliche Vielfalt und den Wirklichkeitsanspruch der Medien.

Bestimmendes inhaltliches Thema, gerade in den jüngeren Arbeiten, ist die kritische Offenlegung des Verhältnisses des Menschen zur von ihm künstlich geschaffenen  und lebendigen Natur. Christian Hahns Bilder hinterfragen, was Natur noch ist, angesichts von Gentechnik, Hirnforschung, Reproduktions- und Transplantationstechnologien. Die Grenzen zwischen echter und künstlicher Natur  scheinen nicht mehr mittelbar. Die Folgen bedeuten eine existenzielle Bedrohung für beide - Mensch und Natur.

Christian Hahns Bilder präsentieren dem Betrachter ein Umweltbild, das von künstlichen Erfahrungen geprägt ist. Aggressive Manipulation und Ausnutzung  bzw. Aneignung der Welt und ihrer Ressourcen werden in unwirklichen Inszenierungen schonungslos offengelegt. Zudem spielen seine Arbeiten mit dem Wirklichkeitsanspruch konstruiert künstlich angelegten Landschaften und Sozialräume.

 

Eine systematische Sammlung und Recherche bildet den Ausgangspunkt für Christian Hahns Arbeit. Eine aktuelle Problematik, die zumeist durch den Titel des Bildes assoziativ gestützt wird, steht als zentrale Thematik im jeweiligen Werk. Seine Bilder sind immer konstruiert, sind eine Neuinszenierung von Momenten. Menschen, Tiere, Pflanzen oder reale Objekte werden bewusst aus ihrem ursprünglichen Zusammenhang gelöst und in neuen Zusammenhängen miteinander verwoben. So entwickeln Christian Hahns Bilder eine ganz eigene Ikonografie und bildimmanente Sprache einer „Mixed Reality“.

Tradierte Regeln der bildnerischen Gestaltung gelten nicht mehr. Natürliche Größen nehmen monströse Dimensionen an. Extreme Perspektiven, Unschärfen, Fokussierungen oder  Nahsichteinstellungen ermöglichen dem Betrachter eine intensive Teilnahme am Geschehen. Die Inszenierung erzeugt maximale Präsenz. Der Bildraum wird zum Illusionsraum ohne zeitliche und räumliche Fixpunkte.

Neben der Komposition ist Farbe im Werk Christian Hahns Vermittler des Inhalts. Die vitale und differenzierte Farbigkeit spiegelt Kraft oder Aggression des Augenblicks, wird zum Spannungsträger und emotionaler Komponente in einer Bilderwelt, die Ähnlichkeiten suggeriert, jedoch Identitäten, besonders bei den agierenden Personen, vermeidet.

Die mit Kalkül miteinander verwobenen Bildmotive täuschen den Betrachter und spielen mit dem Realitätsgehalt unserer Gesellschaft und Medienkultur.

 

 Jutta Meyer zu Riemsloh

 


 

VITA

 

1969 geboren in Nürnberg

 

1988 - 1991 Studium Fachhochschule für Kommunikationsdesign, Nürnberg

 

1991-1993 Fachhochschule für Gestaltung-Illustration, Hamburg

 

1993 - 1999 Studium an der Hochschule für Bildende Künste, Hamburg bei Olav Chr. Jensen und Werner Büttler

 

2001 Meisterschüler bei

Olav Chr. Jensen