„Die Stadt, in der wir noch nicht
waren und wahrscheinlich nie sein werden.“
Ein Ausstellungsprojekt von MIOON
und 31 jungen Künstlern aus Korea.
Kuratiert von Jutta Meyer zu
Riemsloh, MIOON, Shin Yun und Hong Sung Jae.
Münsterländer
Töttchen oder Asia Food? Hirschgeweih oder Feng Shui? Die Welt wächst zusammen.
Typische Eigenheiten einzelner Nationen machen globalisierten Gewohnheiten
Platz.Die weltweite
Verflechtung ist nicht allein ein wirtschaftlicher, sozialer oder politischer
Prozess, sondern im Besonderen auch ein kultureller. Der Austausch und Zugriff
auf Informationen zwischen räumlich weit entfernten Gesellschaften ist
wesentlich intensiver als jemals zuvor. Grund dafür sind technologische Medien
des modernen, digitalen Kommunikationszeitalters. Sie geben Einblicke in
kulturelle Identitäten verschiedener Nationen, beispielsweise in die ‚Hochkultur’
oder die ‚Volkskultur’ einer Gesellschaft. Virtuell kann jeder Ort der Welt
bereist werden, ohne dass man sich faktisch fort bewegt, ohne jede empirische
Erfahrung. Welches imaginäre Bild entsteht dabei? Wie und auf was wird der
Blick gelenkt?
In
dem Projekt ‚Blickwechsel’, das für die Stadt Coesfeld den zusätzlichen
Ausstellungstiitel: „Die Stadt, in der wir noch nicht waren und wahrscheinlich
nie sein werden.“ bekam, stellten die koreanischen Künstler Min Kim und Moon
Choi, genannt Mioon, die Frage nach der Übertragbarkeit und der damit
einhergehenden Veränderung von Kultur in einer globalisierten Welt. In den Videoarbeiten der
beiden Künstler sind Mobilität und Migration zentrale Themen der künstlerischen
Auseinandersetzung. Damit ist bei Mioon auch immer eine innere, geistige
Ortsunabhängigkeit gemeint. Diese Thematik griffen Mioon bei der Ausstellungskonzeption
auf. Der ‚Blickwechsel’ und damit
implizierte Transfer von kulturellen Bildern erfolgte in dreifacher Weise: Von
Korea nach Deutschland, aus der Sichtder Besucher vor Ort und von Coesfeld nach Korea.
Mioon luden 31 Kunststudenten, die sie in
Seoul an der Hongik Universität unterrichten, ein,
an der Ausstellung mit jeweils einem Werk
teilzunehmen. Innerhalb eines halben Jahres sollten die Arbeiten fertiggestellt
sein. Informationen zur Stadtgeschichte und einige Fotoimpressionen wurden den
Studenten durch Mioon nach Korea überbracht. Eine mögliche Beeinflussung durch
die Auswahl der Informationen sollte vermieden werden. Deshalb waren diese auf
Daten und Statistiken beschränkt.
Die
Stadt Coesfeld ist für die jungen Künstler in Korea ein fremder Ort, ein Ort,
den sie wahrscheinlich niemals real kennenlernen werden. Jeder unbekannte Ort
existiert jedoch in der Vorstellung als Illusion oder Imagination.
Informationen über das Internet oder einen Reiseführer können diesen Ort, so
Mioon, zu einem erdachten Bildmachen und schließlich bleibt der Ort
in der Erinnerung als ein anderer, vielleicht exotischer erhalten. Diese
inneren Bilder von Coesfeld haben die Künstler in Korea in Form von,
Installationen, Fotografien, Zeichnungen oder Malerei auf Papier künstlerisch
umgesetzt.
Auch
für die Künstler MIOON war und ist die Kreisstadt fremd, obwohl sie Coesfeld
besucht und ihre Eindrücke fotografisch dokumentiert haben. Eine Video-Arbeit hält
ihre Sicht künstlerisch fest. (Informationen folgen)
Und
schließlich konnten Coesfelder Bürger Arbeiten der Künstler aus dem exotischen Fernen
Osten ausleihen, sie in ihren eigenen privaten und geschäftlichen Räumen aufhängen
oder installieren. Einige Arbeiten lenkten den Blickwinkel in eine vorgegebene
Richtung und waren räumlich gebunden, andere konnten nach den individuellen
Wünschen in das jeweilige Umfeld integriert werden. Als Dokumentation der
unterschiedlichen individuellen Lebensstile in Coesfeld wurden die Besitzer
eingeladen, ein Foto von sich, mit Familie und Freunden, mit dem Werk im
häuslichen oder geschäftlichen Ambiente, zu dem jeweiligen Künstler in Korea
senden, der somit Einblick in das reale Leben in Coesfeld erhält.